Warum Nitrit so tückisch ist
Nitrit entsteht, wenn Bakterien der Gattung Nitrosomonas Ammonium zu Nitrit abbauen – der erste Schritt im Stickstoffkreislauf. Das eigentliche Problem: Der zweite Schritt, die Umwandlung von Nitrit zu weit weniger giftigem Nitrat durch Nitrobacter- bzw. Nitrospira-Bakterien, etabliert sich deutlich langsamer als der erste Schritt. Dadurch entsteht in neuen Becken oft eine zweite Belastungsspitze, nachdem der Ammonium-Wert bereits gesunken ist – viele Aquarianer wiegen sich zu diesem Zeitpunkt fälschlich in Sicherheit.
Nitrit ist für Fische giftig, weil es sich im Blut an Hämoglobin bindet und dessen Fähigkeit blockiert, Sauerstoff zu transportieren (sogenannte "Braunblutkrankheit"). Die Fische ersticken dadurch quasi von innen, selbst wenn genug Sauerstoff im Wasser vorhanden ist. Erkennbar oft an auffällig blassen bis bräunlichen Kiemen und Fischen, die nach Luft schnappen.
Grenzwerte im Überblick
| Wert | Einstufung | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| 0 mg/l | Normal | keiner |
| 0,25 mg/l | Warnsignal | Ursache prüfen, Wasserwechsel |
| 0,5 mg/l | Kritisch | sofortiger Wasserwechsel |
| >1,0 mg/l | Akute Lebensgefahr | Notmaßnahmen, siehe unten |
Warum der Wert ansteigt
Die häufigsten Ursachen, meist identisch zu denen bei Ammonium:
Zweite Phase der Einlaufphase: Der klassische "Nitrit-Peak" in Woche 2–4, wenn Nitrobacter-Bakterien noch nicht mit dem bereits vorhandenen Ammonium-Abbau mitgehalten haben.
Zu schneller Besatzaufbau: Neue Fische zu früh oder zu viele auf einmal eingesetzt, bevor sich die Bakterienpopulation angepasst hat.
Überfütterung: Zusätzliche organische Belastung erhöht indirekt auch die Nitrit-Produktion.
Filterreinigung mit Leitungswasser: Chlor im Leitungswasser tötet die empfindlichen Nitrobacter-Bakterien besonders leicht ab.
Was tun bei erhöhtem Wert?
Sofortiger Wasserwechsel: 30–50 % des Wassers wechseln, um die Konzentration zu verdünnen.
Aquariumsalz zugeben: Chlorid-Ionen (z. B. aus Kochsalz ohne Jod/Zusätze) blockieren die Aufnahme von Nitrit über die Kiemen und wirken als schnelle Notfallmaßnahme – ersetzt aber nicht den Wasserwechsel.
Fütterung stoppen: Für 1–2 Tage pausieren, um die Belastung nicht weiter zu erhöhen.
Zusätzlich belüften: Ein Ausströmerstein erhöht den Sauerstoffgehalt und mildert die Erstickungswirkung des Nitrits ab.